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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynodalvorstand im Gefängnis
Gefängnisgottesdienst
28.01.2015 15:33

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte im Zuge seiner Klausurtagung in der Akademie Biggesee der Synodalvorstand des Ev. Kirchenkreises Siegen (KSV). Bei der Frage, ob am Sonntagmorgen ein eigener Gottesdienst gefeiert werden solle oder ob man sich an einem Gottesdienst beteiligen könne, kam die Idee auf, sich im Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt Attendorn einzubringen. Naheliegend, da diese von der Akademie aus fußläufig zu erreichen ist und zudem Pfarrer Lutz Greger als Gefängnisseelsorger zum Pfarrkonvent des Ev. Kirchenkreises Siegen gehört.

Der Gottesdienstraum füllte sich schnell mit etwa 30 Inhaftierten, nachdem Lutz Greger über Lautsprecher zum Gottesdienst eingeladen hatte.

Die Inhaftierten nutzen gerne die Angebote, die eine Unterbrechung des Haftalltags bieten. Erwachsene Männer zwischen überwiegend 21 und 28 Jahren sitzen in Attendorn ein. Die Haftstrafen belaufen sich von kurzen Ersatzfreiheitsstrafen, beispielsweise wegen nicht bezahlter Geldstrafe, bis zu zwei Jahren Haft. Hinzu kommen etwa 20 Häftlinge in U-Haft. Nach kurzer Eingewöhnung erfüllte ein doch recht kräftiger Gesang den Raum, begleitet auf der Gitarre von Superintendent Peter-Thomas Stuberg. In seiner Predigt ging der Gefängnisseelsorger immer wieder auf die besondere Situation der Häftlinge ein. Auch Ihnen gilt der Zuspruch des Evangeliums.

Nach dem Gottesdienst kamen die KSV-Mitglieder ins Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger Lutz Greger und erfuhren wie er Gefangene begleitet, wie er deren Familien berät und auch die Bediensteten der Justizvollzugsanstalt im Blick hat. Unterstützt wird die Arbeit des Gefängnisseelsorgers von Ehrenamtlichen. Das am 27. Januar 2015 in Kraft getretene Justizvollzugsgesetz will Inhaftierte von Anfang an auf ein Leben nach der Inhaftierung vorbereiten. Dazu gibt es rege Fachdienste in der JVA Attendorn; auch die Seelsorge leistet ihren Beitrag.

Anschließend konnten die KSV-Mitglieder einen Teilbereich des neuen Anbaus der JVA besichtigen. Wichtig für die Inhaftierten sind Möglichkeiten der Beschäftigung. Eine Turnhalle, ein Fitnessraum und auch eine Bücherei bieten eine sinnvolle Freizeitgestaltung. In der Justizvollzugsanstalt Attendorn sitzen derzeit 99 Inhaftierte im geschlossenen Vollzug ein, bei insgesamt 120 Haftplätzen. Im offenen Vollzug sind es 172 Inhaftierte bei 285 Haftplätzen.

Als die 15 Kreissynodalmitglieder ihre Personalausweise wieder in Händen hielten und die JVA als freie Menschen verlassen konnten, war ein leichtes Aufatmen in der frischen Luft zu spüren. Lutz Greger hatte Recht. Der Aufenthalt in einem geschlossenen Vollzug macht auch körperlich etwas mit den Besuchenden, aber auch mit Beschäftigten und Inhaftierten.

kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Es ist ein eigentümliches Gefühl, wenn sich die Tür eines Gefängnisses hinter einem schließt. Auch, wenn man nur Besucher ist.


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