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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Interreligiöser Dialog im Zeughaus Wer ist Jesus für Muslime?
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05.05.2004 16:34
Dass Christen und Muslime im Siegerland nicht das meiste voneinander wissen, ist längst kein Geheimnis mehr. Während viele gegenseitige Ablehnungen auf übernommenen Vorurteilen und Halbwahrheiten beruhen oder von Terrornachrichten geprägt sind, wurden im Jugendreferat des Kirchenkreises Siegen kürzlich Informationen aus erster Hand geliefert. Zum Thema: „Wer ist Jesus im Islam?“ referierte der türkische Informatikstudent Ilhan Ökcesiz gemeinsam mit seiner Ehefrau Julia Prinz vor Vertretern der evangelischen Kirchengemeinden, um anschließend mit ihnen zu diskutieren. Die Moderation hatte Jugendreferent Kurt Giesler, Gesprächspartner war neben anderen der Studierendenpfarrer und Islambeauftragte des Kirchenkreises Siegen Ralph van Doorn. Dass die Trennung und Diskrepanz der beiden Weltreligionen schon allein darauf beruhe, dass man verschiedene Schriftquellen zur Grundlage nehme, machte Ilhan Ökcesiz gleich zu Anfang klar. So sei die Rolle Jesu im islamischen Verständnis eine gänzlich andere, als im Christentum. Hieb- und stichfest machte der Referent seine Thesen durch mitgebrachtes Lesematerial, das allen Beteiligten der Diskussionsrunde zur Verfügung gestellt wurde. Ein Vater-Sohn-Verhältnis, wie es die christliche Theologie lehre, lehne der Koran in Sure 4, Vers 171, grundsätzlich ab. Ebenso verhalte es sich mit der christlichen Trinitätslehre. Auch das Gottesverständnis vom Vater, Sohn und Heiligem Geist verbiete der Koran mit Sure 4, Vers 171 und 5, Vers 73, eindeutig. Der Monotheismus, „Gott ist einer und nicht drei“, sei ein wesentliches Element der islamischen Religion. Dass allerdings auch im christlichen Verständnis Gott als Einheit gesehen werde, wie van Doorn entgegnete, das Mysterium der Dreieinigkeit nicht mit Vielgötterei zu verwechseln sei, nahmen die anwesenden Muslime gelassen auf. Eine Herabwürdigung der Person Jesu liege dem Koran fern, betonte Ökcesiz, eine „Beigesellung zu Allah“ durch den - nach islamischen Verständnis - Propheten Jesu, sei für Muslime aber inakzeptabel. Nichtsdestotrotz spiele das Leben und Wirken Jesu im Koran ein wichtige Rolle, was ihm einen Sonderstatus in der Reihe der Propheten verschaffe. Auch die Wiederkehr Jesu sei Element der islamischen Lehre, die Jesus als Gesandten Gottes vor Erscheinen des Propheten Mohammed verstehe. Wundertaten und reine Gottergebenheit würden nicht geleugnet, sondern hervorgehoben. Dies betreffe auch die Jünger Jesu, wie aus Sure 3, 52-53, hervorgehe. Wie schwierig ein angeregtes Gespräch zu führen ist, nachdem deutlich wurde, dass man von unterschiedlichen Daten und Fakten ausgeht, zeigte sich nach dem Vortrag. Wichtig sei, dass man die Unterschiede kenne, um gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zu erhalten, war sich die Runde einig. Dazu müsse man nicht einer Meinung sein. Der gegenseitige Respekt ergebe sich aus der Akzeptanz gegenüber Andersdenkenden, ohne deren menschliche Würde und Gottesfürchtigkeit in Frage zu stellen. Diese erkenne man daran, wie ein Mensch sich im Alltag verhalte. Die von Dietrich Bonhöfer beschriebene sogenannte „billige Gnade“, die das Erlösungswerk Jesu durch Missachtung von überlieferten ethischen und moralischen Grundwerten herabsetze, sei zwar oft zu beobachten, aber christlich theologisch nicht gerechtfertigt. Dennoch, betonte Pfarrer Ralpf van Doorn, sei gerade für reformierte Christen die Rechtfertigung vor Gott allein durch den Glauben an Jesus Christus wesentlich. Dass es einer ehrlichen Aufmerksamkeit für das eigene Verhalten und einer Herzensfrömmigkeit abseits von Gesetzen und Regeln bedarf, die Güte, Barmherzigkeit und Wohltätigkeit anderen gegenüber hervorbringen muss, war ein kleiner gemeinsamer Nenner, dem sich alle Diskussionsgäste gerne anschlossen. Trotzdem blieben viele Fragen offen was in der Natur der Sache liegt: Zuerst muss klar ausgesprochen werden, woran man jeweils glaubt und warum. Die offene und respektvolle Atmosphäre des Abends trotz der unterschiedlichen Ansichten machte deutlich, dass Folgeveranstaltungen lohnenswert sind. Text zum Bild: Bei einem Referat in der Reihe „Christen und Muslime im Gespräch“ stand das Thema: „Wer ist Jesus im Islam?“ auf dem Plan.

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