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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Erste und einzige landwirtschaftliche Biogasanlage im Kreis Siegen-Wittgenstein auf dem Hof Heckseifen seit Sommer 1998 in Betrieb
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05.05.2004 16:36
Der synodale Ausschuss des Kirchenkreises Siegen zur Bewahrung der Schöpfung besichtigte kürzlich den Hof Heckseifen. Seit August 1998 wird dort der Mist von 52 Milchkühen und 13 Pferden in einer eigenen Biogasanlage verwertet. Der Hofbesitzer Kurt Ohrndorf erklärte den Ausschussmitgliedern die Biogasanlage. Der Mist wird in einem etwa 230 Kubikmeter großen, unterirdischen Beton-Gärbehälter gesammelt. Die Gülle wird darin bei 37°C von Methan-Bakterien vergoren. Dabei entsteht Biogas, das zu 55–75 % aus Methan besteht. Der Mist einer Kuh liefert täglich etwa 1,5 Kubikmeter Biogas. Der Energiegehalt von einem Kubikmeter Biogas entspricht rund 0,6 Litern Heizöl. Vom Gärbehälter gelangt das Biogas über ein Rohrsystem in einen Container, in dem sich ein Foliensack mit 70 Kubikmetern Fassungsvermögen befindet. Ist der Foliensack gefüllt, wird das Biogas über eine weitere Rohrleitung zu einem kleinen Blockheizkraftwerk geleitet und dort verbrannt. Der Gasmotor, ein geringfügig umgebauter PKW-Motor, treibt dabei einen Generator an, der Strom erzeugt und in das Stromnetz einspeist. Die Abwärme des Gasmotors wird mit Hilfe eines Wärmetauschers und Warmwasserspeichers zur Beheizung der Wohn- und Betriebsgebäude sowie zur Warmwasserbereitung genutzt. Die vergorene Gülle wird anschließend wie gewohnt auf den Feldern und Wiesen des Hofes ausgebracht. Mit der Biogasanlage wird der gesamte eigene Strombedarf des Bauernhofes gedeckt. Darüber hinaus wird der überschüssige Strom, rund 30.000-40.000 kWh, gegen eine Vergütung in das Netz des RWE eingespeist. Jährlich werden so rund 50.000-60.000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Die Biogasanlage auf dem Hof Heckseifen stellt außerdem für den Eigenbedarf rund 100.000 kWh Wärme pro Jahr bereit. Kurt Ohrndorf erläuterte den Besuchern, dass Biogas eine erneuerbare Energiequelle ist, bei deren Nutzung kein zusätzliches, klimaschädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt. Es wird nur soviel Kohlendioxid freigesetzt, wie vorher von den Futterpflanzen der Weidetiere aus dem natürlichen Kohlendioxid-Kreislauf entnommen wurde. In Süddeutschland, einem der Schwerpunkte der Biogastechnologie in Deutschland, zeigt sich, dass deren Verbreitung im ländlichen Raum neue wirtschaftliche Impulse auslöst. Nicht nur Landwirte profitieren von Biogasanlagen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen erschließen durch Herstellung, Wartung und Vertrieb solcher Anlagen einen neuen Marktbereich. Trotz dieser offensichtlichen Vorteile wurde im Kreis Siegen-Wittgenstein nach Auskunft von Kurt Ohrndorf seit 1998 keine weitere landwirtschaftliche Biogasanlage gebaut. Ursache dafür könnte sein, dass Öffentlichkeit und Landwirte über die Technik nicht ausreichend informiert sind. Abschließend führte der Landwirt die Besucher durch die übrigen Betriebsgebäude. Der Hof Heckseifen besteht seit 1965 als Aussiedlerhof in Langenholdinghausen. Die Betriebsgröße liegt bei rund 65 Hektar. Seit 2001 ist der Hof ein kontrollierter Bioland-Betrieb mit rund 52 Milchkühen und Rindern sowie 13 Pferden. Neben der Milchwirtschaft werden Kartoffeln für die Direktvermarktung angebaut. Pastorin Marianne Mengel-Keßler, die Vorsitzende des Ausschusses zur Bewahrung der Schöpfung, bedankte sich bei Kurt Ohrndorf für die Besichtigung der Biogasanlage, die ein vorbildlicher Beitrag zum Klimaschutz und zur Bewahrung der Schöpfung ist. Michael Hänel Umweltreferent des Kirchenkreises Siegen Text zum Bild (Foto: Michael Hänel) Landwirt Kurt Ohrndorf (2. von rechts) erläutert dem synodalen Ausschusses zur Bewahrung der Schöpfung seinen Landwirtschaftlichen Betrieb mit der Biogasanlage.

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